Longerich (red). Zusammen mit fünfzehn anderen Ehrenamtspreisträgern aus ganz NRWwurde Gabi Walter mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Die Ehrung erhielt sie aus den Händen von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Düsseldorf.
Und dabei fand die Ministerpräsidentin wohllaunige Worte
und zitierte Wilhelm Busch, der einmal mit der ihm eigenen
Verschmitztheit äußerte: "Man ist ja von Natur kein
Engel, vielmehr ein Welt- und Menschenkind, und ringsumher ist ein
Gedrängel von solchen, die dasselbe sind."
Kraft: "Beschäftigt man sich mit der Biographie von Gabi
Walter, fragt man sich allerdings, ob die Bezeichnung
"Engel" auf sie nicht doch zutrifft.
Bei einem Besuch auf der Domplatte im Jahr 1988, bei dem sie sich
über die Sorgen und Nöte der Obdachlosen informierte,
entschloss sie sich, eine Hilfsaktion für Obdachlose ins Leben
zu rufen. Sie versorgte die Bedürftigen zunächst mit
Lebensmitteln, Kleidung, Decken und Schlafsäcken.
1994 bot sie dann vor dem Kölner Obdachlosenrestaurant
"Lore" die erste mobile
"Obdachlosenkleiderkammer" an. Aus dem Kofferraum ihres
Wagens gab sie sieben Jahre lang zwei Mal in der Woche
Kleidungsstücke aus, berücksichtigte dabei sogar
Wünsche der Betroffenen.
Seit 2001 betreibt sie eine feste Kleiderkammer vor der
Gulliver-Überlebensstation für Obdachlose. Mittlerweile
hat sie mehrere tausend Obdachlose versorgt.
Wenn man bedenkt, dass neben der Vorbereitung der Kleiderausgabe
auch andere Arbeiten wie die Beschaffung, das Sortieren, die
Entsorgung, die Reinigung, die Pflege und das Aufarbeiten,
Bügeln und Falten von Kleidungsstücken anfallen, wird
klar, dass Gabi Walter einen großen Teil ihrer Freizeit dem
Engagement für andere opfert - täglich bis zu 8 Stunden.
Alle Kosten trägt sie selbst, Spenden leitet sie nach
Rumänien, Russland oder nach Belarus weiter.
Und damit nicht genug: Gabi Walter veranstaltet für
"ihre" Obdachlosen Grillfeste und Weihnachtsfeiern, geht
mit Bedürftigen einkaufen oder lädt sie zum Essen ein.
Ihre Herzlichkeit, die außerordentliche Tatkraft, ihre
Fürsorge und die selbstlose Bescheidenheit lassen vermuten,
dass wir es wahrscheinlich wirklich mit einem "Engel" zu
tun haben - einem "Engel für die Obdachlosen".
Dies ist bereits die zweite Auszeichnung, die Gabi Walter erhalten
hat. Im Juni 2003 zeichnete der damalige Oberbürgermeister
Fritz Schramma sie mit dem "Ehrenamtspreis" der Stadt
Köln aus.


